Wie bist du ursprünglich zum Steuerrecht bzw. zur Wirtschaftsprüfung gekommen und was bedeutet der Beruf für Dich?
Als Fünfjährige habe ich mir vorgestellt, dass ein Buchhalter jemand ist, der auf beiden Händen einen gleich hohen Stapel Bücher hält und sie wie auf einer Waage balanciert. Mit dieser Vorstellung ahnte ich intuitiv wohl schon, dass Buchhaltung etwas mit „Balance”, also mit Ausgleich und Gleichgewicht, zu tun hat. Das Gewicht von Büchern ständig mit den Händen halten zu müssen, erschien mir in meiner kindlichen Vorstellung sehr anstrengend. Ich konnte mir damals überhaupt nicht vorstellen, diesen „Beruf“ einmal auszuüben. Doch manchmal kommt es anders als gedacht, denn „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“ (Erich Kästner) und Bilanz ziehen sollte man bekanntlich immer erst am Schluss.
Mein Weg in die Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung begann dann klassisch in der Buchhaltung: mit dem amerikanischen Journal – handschriftlich, auf Papier. In einem studentischen Nebenjob erfasste ich Geschäftsvorfälle in chronologischer Reihenfolge, prüfte Buchungssätze und sorgte dafür, dass Soll und Haben stets im Gleichgewicht blieben. Diese Erfahrung hat mir gezeigt, dass hinter jeder Buchung eine Zahl steckt, die einen Vorgang erzählt. In der Bilanz eines Unternehmens sind alle Vorgänge eines Jahres zusammengefasst und zeigt nicht nur, was war – sondern was möglich ist. Ich lernte, dass Zahlen nicht „trocken“ sind, sondern sie erzählen Geschichten. Geschichten von Unternehmen, Entwicklungen, Entscheidungen – und sie bilden die Grundlage für Vertrauen, Planung und Wachstum.
Im Laufe der Zeit wurden aus Papierbelegen digitale Workflows, aus manuellen Kontierungen intelligente Schnittstellen. Doch eines hat sich nie geändert: Unter dem Strich muss die Bilanz aufgehen – fachlich, wirtschaftlich und menschlich.
Heute begleite ich Unternehmen als Steuerberaterin und Wirtschaftsprüferin dabei, genau dieses Gleichgewicht zu finden und zu halten – zwischen Ordnung und Entwicklung, zwischen Zahlen und Entscheidungen, zwischen Pflicht und Perspektive.
Balance ist kein Zustand – sie ist ein Prozess.